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Rezension: Geheime Gärten Paris- Elli Ioannou- Gerstenberg


Elli Ioannou, die Autorin dieses Buches, ist eine international ausgezeichnete Fotomedienkünstlerin, die seit 2016 in Paris lebt.

In diesem traumhaft schönen Buch vermittelt sie den LeserInnen anhand sehr informativer Texte und Fotos etwas ganz Besonderes: die geheimen Gärten von Paris. 

Wie die Autorin schreibt, sind diese Gärten und Grünflächen mehr als nur Stadtgestaltung. Sie seien ein echtes Pariser Kulturerlebnis- eine Einladung in die Vergangenheit einzutauchen. Dabei erzählen die 20 präsentierten Gärten Wissenswertes über die ereignisreiche Geschichte der Stadt, nicht selten über das Medium Kunst und Literatur vermittelt, aber auch durch Menschen, wonach die Orte benannt sind. 

Paris habe sich zum Ziel gesetzt, die Straßen zu begrünen und sich auf dieser Weise zu einer "Gartenstadt" zu entwickeln. Seit 2020 wurden in Paris über 100 000 Bäume gepflanzt, die zur Begrenzung des Klimawandels beitragen sollen. Es gehe darum, die Artenvielfalt zu fördern, die gesundheitliche Belastung durch Hitze zu reduzieren und jedem Bürger, einen innerhalb von 15 Gehminuten erreichbaren Erholungsraum zu bieten. 

Bäume prägen, so die Autorin, alle hier beschriebenen Gärten. Diese Gärten veränderten ihr Antlitz im Wechsel der Jahreszeiten und darüber hinaus gäbe es im Sommer in zahlreichen Gärten Cafés und Pop-up-Restaurants, in denen man mit Freunden eine gute Zeit verbringen kann. Das klingt verlockend.

Untergliedert sind die Gartenpräsentationen in 2 Rubriken: 10 Gärten am linken Seine-Ufer - Rive Gauche und 10 Gärten am rechten Seine-Ufer - Rive Droite. Auf einer Doppelseite sind die geheimen Gärten allesamt in einen Kartenausschnitt von Paris eingezeichnet. Man kann sie also nicht verfehlen.

Die Aufnahmen der Gärten muten märchenhaft an und die Texte vermitteln eine Fülle an Informationen. Adresse und Öffnungszeiten werden stets vorab genannt. 

Faszinierend ist beispielsweise die Grünanlage "Souare Laurent" am Place Juliette Greco. Gleich zu Beginn nämlich kann man eine Bronzebüste des Künstlers Pablo Picasso bewundern. Sie stellt seine Muse Mara Maar dar. Man erfährt die Geschichte der Skulptur, liest zudem wer Laurent-Prache war und schließlich in welcher Nähe sich der schöne Garten befindet. Ich sage nur "Lex Deux Margots"! Womit diese Grünanlage bepflanzt ist, bleibt auch nicht ausgespart. 

Und so transparent wird auch mit den anderen wunderschönen Gärten verfahren. Da gibt es beispielsweise das "Musée de la Vie Romantique", das Privathaus des Malers Ary Scheffer, der dort mit Intellektuellen und Künstlern wie Chopin zusammenkam. Darüber hinaus sind Gegenstände aus dem Besitz von George Sand zu bewundern und im Garten sind  dann u.a. wunderschöne Rosen zu bestaunen. 

Mehr werde ich nicht verraten. Nur das noch: Seite für Seite ist dieses Buch ein Vergnügen und Balsam für die Seele an unwirtlichen Tagen wie dieser Winter sie bereit hält. Wer im Frühling nach Paris reisen möchte, darf sich auf die Gartenanlagen dort freuen und Neues entdecken.

Maximal empfehlenswert
Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich,

Rezension: Englische Landschaftsgärten- Der Traum vom Arkadien- Tim Richardson- Gerstenberg


Dieser Prachtband mit dem Titel "Englische Landschaftsgärten" enthält sehr informative Texte des Historikers Tim Richardson und traumhaftschöne Fotos des Fotografen Clive Boursnell.

Was also ist nun ein "Englischer Landschaftsgarten?“ fragt der Historiker Tim Richardson in seiner Einleitung, denn immerhin beschreibt er im Buch 20 solcher berühmten Anlagen. Auf was soll sich der Leser einlassen? 

Wie man erfährt, bezieht sich der Begriff auf einen natürlichen Gartenstil. Dieser habe sich in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts aus der formalen, barocken Tradition entwickelt. Im Laufe der Zeit wurden, u.a. inspiriert von Gemälden des Künstlers Lorrains, die natürlichen Gegebenheiten des Geländes mittels Alleen, Lichtungen und architektonischen Abschnitten stärker betont.

Den Gartenbesitzern sei es darum gegangen, ihre Ambitionen und Ideale zum Ausdruck zu bringen, genauer, einen Gartenspaziergang mit einer Abfolge konträrer Episoden, die einem Gedankengang ähnelten, zu visualisieren. Die Besitzer wollten lesbare Orte schaffen, denen ein bestimmtes Thema oder Narrativ zugrunde lag, erfährt man weiter. Dabei wurde das Narrativ des Gartens auf verschiedenen Ebenen verschiedenen Besuchern vermittelt.

Das Buch nun suche die Deutungen, die dem Leser die Gedankenwelt der ehrgeizigen Landbesitzer näherbringe. Das gelingt dem Autor durch seine Texte übrigens bestens.

Beeindruckende Bilder von den Landschaftsgärten und Lagepläne sind den 20 ausführlichen Gartenbeschreibungen beigegeben. 

Zur  Sprache gebracht werden:

Castle Howard, North Yorkshire; Wrestpark, Bedfordshire; Braham Park, West Yorkshire; Claremont, Surrey; Chiswick House, London; Studley Royal, North Yorkshire; Stowe, Buckinghamshire; Castle Hill, Devon; St. Paul´s Walden Bury, Hertfordshire; Rousham, Oxfordshire; West Wycombe Park; Buckinghamshire; Hagley Hall, Worcestershire; Stourhead, Wiltshire; Hestercombe, Somerset; Painshill, Surrey; Petworth Park, West Sussex; Blenheim Palace, Oxfordshire; Hackfall, North Yorkshire; Hawkstone, Shropshire; Hafod, Ceredigion.    

Im Grunde bin ich von allen Anlagen gleichermaßen hingerissen. "Stowe" in Buckinghamshire soll der berühmteste Englische Garten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sein. Neben einem umfangreichen Textportrait erwarten die LeserInnen hier sehr eindrucksvolle Bilder, so von Tempeln, auch Skulpturen und Pavillons inmitten einer grünen, beinahe unwirklich schönen Landschaft, die durch Sichtachsen endlos erscheint. 

Unmöglich, auch nur im Ansatz die Fülle an Informationen und Schönheit zu beschreiben, die allein bei dieser Landschaftsgartenbeschreibung auf die LeserInnen wartet! Geschweige denn von dem gesamten Buchinhalt.

Die umfangreichen historischen Fakten, in diesem Werk zu ihren einstigen Besitzer- Designern machen die Landschaftsgärten, auch was die vielen Skulpturen und Tempel etc. anbelangt, begreifbar. Das Tun,  die Ziele und die Geisteshaltung der Schöpfer sind sehr gut in das Gesamtprojekt eingearbeitet worden. Dass diese Landschaftsgärten das Ergebnis von unermesslichem Reichtum sind, ist eine Tatsache, eine andere Tatsache ist aber auch, dass hier Reichtum sinnvoll eingesetzt wurde, indem der Traum von Arkadien Wirklichkeit geworden ist.

Maximal empfehlenswert 
Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich,