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Rezension: Englische Landschaftsgärten- Der Traum vom Arkadien- Tim Richardson- Gerstenberg


Dieser Prachtband mit dem Titel "Englische Landschaftsgärten" enthält sehr informative Texte des Historikers Tim Richardson und traumhaftschöne Fotos des Fotografen Clive Boursnell.

Was also ist nun ein "Englischer Landschaftsgarten?“ fragt der Tim Richardson in seiner Einleitung, denn immerhin beschreibt er im Buch 20 solcher berühmten Anlagen. Auf was soll sich der Leser einlassen? 

Wie man erfährt, bezieht sich der Begriff auf einen natürlichen Gartenstil. Dieser habe sich in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts aus der formalen, barocken Tradition entwickelt. Im Laufe der Zeit wurden, u.a. inspiriert von Gemälden des Künstlers Lorrains, die natürlichen Gegebenheiten des Geländes mittels Alleen, Lichtungen und architektonischen Abschnitten stärker betont.

Den Gartenbesitzern sei es darum gegangen, ihre Ambitionen und Ideale zum Ausdruck zu bringen, genauer, einen Gartenspaziergang mit einer Abfolge konträrer Episoden, die einem Gedankengang ähnelten, zu visualisieren. Die Besitzer wollten lesbare Orte schaffen, denen ein bestimmtes Thema oder Narrativ zugrunde lag, erfährt man weiter. Dabei wurde das Narrativ des Gartens auf verschiedenen Ebenen verschiedenen Besuchern vermittelt.

Das Buch nun suche die Deutungen, die dem Leser die Gedankenwelt der ehrgeizigen Landbesitzer näherbringe. Das gelingt dem Autor durch seine Texte übrigens bestens.

Beeindruckende Bilder von den Landschaftsgärten und Lagepläne sind den 20 ausführlichen Gartenbeschreibungen beigegeben. 

Zur  Sprache gebracht werden:

Castle Howard, North Yorkshire; Wrestpark, Bedfordshire; Braham Park, West Yorkshire; Claremont, Surrey; Chiswick House, London; Studley Royal, North Yorkshire; Stowe, Buckinghamshire; Castle Hill, Devon; St. Paul´s Walden Bury, Hertfordshire; Rousham, Oxfordshire; West Wycombe Park; Buckinghamshire; Hagley Hall, Worcestershire; Stourhead, Wiltshire; Hestercombe, Somerset; Painshill, Surrey; Petworth Park, West Sussex; Blenheim Palace, Oxfordshire; Hackfall, North Yorkshire; Hawkstone, Shropshire; Hafod, Ceredigion.    

Im Grunde bin ich von allen Anlagen gleichermaßen hingerissen. "Stowe" in Buckinghamshire soll der berühmteste Englische Garten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sein. Neben einem umfangreichen Textportrait erwarten die LeserInnen hier sehr eindrucksvolle Bilder, so von Tempeln, auch Skulpturen und Pavillons inmitten einer grünen, beinahe unwirklich schönen Landschaft, die durch Sichtachsen endlos erscheint. 

Unmöglich, auch nur im Ansatz die Fülle an Informationen und Schönheit zu beschreiben, die allein bei dieser Landschaftsgartenbeschreibung auf die LeserInnen wartet! Geschweige denn von dem gesamten Buchinhalt.

Die umfangreichen historischen Fakten, in diesem Werk zu ihren einstigen Besitzer- Designern machen die Landschaftsgärten, auch was die vielen Skulpturen und Tempel etc. anbelangt, begreifbar. Das Tun,  die Ziele und die Geisteshaltung der Schöpfer sind sehr gut in das Gesamtprojekt eingearbeitet worden. Dass diese Landschaftsgärten das Ergebnis von unermesslichem Reichtum sind, ist eine Tatsache, eine andere Tatsache ist aber auch, dass hier Reichtum sinnvoll eingesetzt wurde, indem der Traum von Arkadien Wirklichkeit geworden ist.

Maximal empfehlenswert 
Helga König

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